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“Auf die Straße mit euch!” – Studentenproteste in Würzburg

Demonstrieren Leute, zu Tausenden!!!! "Wer kämpft kann verlieren, wer nicht kämpft, hat schon verloren!" (Kommentar in Mainpost.de)

So lautet eine der Parolen, mit denen Studenten deutschlandweit ihrem Ärger Luft machen. Besetzte Hörsäle, blockierte Straßen, Banner mit Forderungen und eine Reihe schier endloser Diskussionen. Dieses Bild bestimmt seit einigen Wochen das Bild der Studentenstadt Würzburg. Seit dem 11. November wird das Audimax, der größte Hörsaal der Universität Würzburg, von Demonstrierenden besetzt. Es wird gebloggt (wuerzburg-brennt.de), Flyer erstellt, diverse Arbeitskreise gebildet und Plenumssitzungen abgehalten. Alles mit dem Ziel, die Öffentlichkeit und die Politik auf die Situation der Studenten aufmerksam zu machen.

Doch was wollen die Studenten eigentlich?

Die Abschaffung der Studiengebühren sowie die Abschaffung des verhassten Bachelor/Mastersystems stehen im Mittelpunkt der Demonstrationen. Ferner geht es um die Entlastung der Finanzsituation deutscher Hochschulen, verbesserte Lehr- und Lernprozesse und eine größere Partizipation bei hochschulinternen Entscheidungen.

Grundsätzlich steht der Bologna-Prozesses im Kern sämtlicher Diskussionen. Dieser wurde 1999 von 29 europäischen Bildungsministern verabschiedet mit dem Ziel, ein einheitliches europäisches Hochschulwesen bis 2010 zu schaffen.

Durch die Umstellung sollten Abschlüsse vergleichbar werden, transparente Leistungsbewertung (durch Credit-Points) gewährleistet, Lehrpläne gestrafft und die Dauer des Studiums verkürzt werden.

Zur Folge hatte der Bologna-Prozess aber einen überfüllten Lehrplan, strikte Studienpläne ohne Mitbestimmung, eine regelrechte Jagd nach Credit-Points und psychisch überforderte Studenten.  

Ist der Bologna-Prozess gescheitert?

Studenten sagen ja. Politiker sagen nein. Die Wahrheit liegt wahrscheinlich dazwischen. Fakt ist, dass ein Rückzug vom Bologna-Prozess nicht mehr möglich ist. Es liegt nun an den Politikern, auf die Forderungen der Studenten einzugehen. Die Studenten wiederum sollten nicht in einer Anti-Haltung verharren, sondern konstruktiv zusammen mit Politikern und Hochschulleitung nach einer Lösung suchen.

Zurück zu den protestierenden Studenten im Audimax Würzburg. Diese lassen mittlerweile wieder Veranstaltungen zu, die nicht verschoben werden konnten.
Der Universitätspräsident Prof. Dr. Alfred Forchel formulierte einen offenen Brief mit der Tendenz zur Annäherung.

Ein erster Schritt in die richtige Richtung?

Der Grundgedanke des Bologna-Prozesses war richtig, die Umsetzung mangelhaft. Alle Beteiligten müssen nun daran arbeiten, akzeptable Studienbedingungen zu schaffen. 
Ohne Kompromisse wird diese Umsetzung nicht möglich sein. Letztendlich profitieren auch die Hochschulen und Länder von zufriedenen und gut ausgebildeten Akademikern.

Deutschland das Land der Dichter und Denker. Und das soll auch so bleiben.

07

12 2009